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In Reih' und Glied stehen sie im Garten: Weißdorn, Rotbuche, Apfelbaum,
Kastanie. Zwischen 20 Zentimeter und einem Meter hoch.
Ihr "Ältester" ist fast vier Mal so alt wie sie selbst. Über 200
Jahre hat er auf dem Buckel - oder besser: auf dem Stamm. Dagegen
sind die 20 Jahre, die sich Krista Leach aus Abstatt mit Bonsai-Bäumen
beschäftigt, geradezu ein Klacks.
Krista Leach nimmt ein besonders schönes ihrer insgesamt 50 Exemplare
in die Hand: "Wenn sie gar nichts dran machen und die Bäumchen in
den Boden pflanzen, dann würden sie ganz normal weiter wachsen."
Bei einem Wacholder hat Krista Leach das mal probiert.
Der ist jetzt zehn Meter hoch. Doch das ist ja nicht der Sinn
der Sache, und deshalb legt die Abstatterin regelmäßig Hand an:
Sie entfernt die frischen Triebe, topft um, kappt dabei Wurzeln
und gibt den Ästen ab und zu mit Draht die Richtung vor, in die
sie wachsen sollen.
Gut und gerne 60 Bücher über den "Baum in der Schale" - das heißt
"Bonsai" auf Deutsch - stehen im Regal der 57-Jährigen. Die Dolmetscherin
hat auch schon mehrere aus dem Englischen übersetzt.

Außerdem ist die zweifache Mutter im Vorstand des deutschlandweiten
Bonsai-Clubs, betreut die vereinseigene Zeitschrift und hat in Abstatt
einen Bonsai-Arbeitskreis ins Leben gerufen. Früher, als sie noch
keine Probleme mit ihrer Hüfte hatte, da ist sie gut und gerne 12
000 Kilometer pro Jahr mit dem Auto in Sachen Bonsai unterwegs gewesen.
Nicht nehmen lässt sie sich auch jetzt noch den zweiwöchigen Trip
zu einem Bonsai-Meister nach Mailand. Und zu einer weiteren Koryphäe
in der Schweiz. "Beim Drahten und Arrangieren, da lernt man nie
aus." Was ihr Mann dazu sagt? "Der hat mich drauf gebracht.
" James Leach, gebürtiger Amerikaner, lebte als Teenager drei
Jahre in Japan. Seit dem 12. Jahrhundert ist der Bonsai, der seine
Ursprünge in China hat, dort heimisch. Als der Bonsai-Boom Ende
der 70-er hierzulande einsetzte, da erinnerte sich Leach, dass er
die Pflanzen aus seiner Jugendzeit kannte.
Die meisten ihrer Bonsai hat Krista Leach als "yamadori" gekauft
- also als ungestaltete Findlinge. Erst unter ihrer Hand und mit
Draht werden sie in Form gebracht. Das dauert Jahre. "Streng aufrecht",
"frei aufrecht" oder aber "windgepeitscht " - also alle Äste in
eine Richtung: "Insgesamt gibt es 13 verschiedene, anerkannte Stilformen",
weiß die Expertin.
Je schöner gestaltet ein Bonsai ist, desto höher sein Preis. Einige
tausend Mark sind ein paar ihrer Bonsai schon wert, sagt sie. Die
exakten Preise behält sie lieber für sich. Zwar ist sie noch nie
beklaut worden, aber man weiß ja nie . . .
Die Natur in verkleinerter Form - das ist es, was dem Ehepaar
an den Bonsai so gefällt. "Man sieht alles von einem Baum - nicht
wie bei den großen nur einen Teil. Jeder Winkel ist einem zugänglich."
Wenn sich Krista Leach entspannen will, dann guckt sie ihre Bäumchen
an. "Das hilft mir sehr." Eng verwandt sei die Bonsai-Kunst mit
dem Buddhismus - deshalb muss sie beim Schneiden ganz vorsichtig
sein. "Denn im Buddhismus hat jeder Baum eine Seele." Und die will
sie nicht verletzen.
29.08.2001
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